8/29/2010

Mein Wort zum Sonntag!

Aus meiner Morgenlektüre: Süddeutsche, München Samstag/Sonntag, 28./29. August 2010

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"[...]. Es lässt sich, was die Qualität von Wortspielen und Bonmots angeht, ein Bogen spannen von Peter Ustinov, der niemals abstürzte, bis hinüber zur Zunft der Friseure, die stets mit bewundernswerter Konsequenz abstürzt, oft sogar mit Wonne. Ustinov hatte die Gabe, ausschließlich in Sätzen zu sprechen, die umgehend zu Klassikern wurden. Eben noch sagte er: "Planung bedeutet, den Zufall durch den Irrtum zu ersetzen." [...]

Die Zunft der Friseure hingegen hat die Gabe, ihre Arbeitsstätten mit Namen zu schmücken, die umgehend zum Gegenstand des allgemeinen Spotts werden. Altbekannte Namen von Friseursalons sind "Haarmonie", "Haarakiri" und "Haarbacadabra"; ganz vereinzelt gibt es den lieben "Hairgott", was allerdings bisweilen zu Protesten der christlichen, besonders der katholischen Kirche führt. Es ist ein großes Glück, dass sich noch niemand an den "Mohaarmed" herangetraut hat, [...].

Trotzdem spielt der Themenkomplex Haare und Haarschnitt sowohl im Christentum als auch im Islam immer wieder eine gewichtige Rolle. Gerade eben meldet die Saudi Gazette, dass die Wallfahrtsbehörde in Saudi-Arabien 220 Aufpasser zur Großen Moschee in Mekka entsendet, die darauf achten sollen, dass die Pilger sich nicht auf den Gebetsteppichen im Hof der Moschee die Haare scheren. Männliche Pilger rasieren sich üblicherweise nach der Wallfahrt die Haare. Das ist künftig, so der Wille der Wallfahrtsbehörde, nur noch beim Friseur erlaubt. Und ebenfalls gerade eben meldet die Katholische Nachrichtenagentur, dass Pastor Daniel Brinker aus Bremen sich beim nächsten Pfarrfest eine Glatze rasieren lässt, wenn bis dahin 500 Euro an Spenden zusammengekommen sind. [...]

Dieser ungeplante religöse Dialog zwischen Mekka und Bremen ist ein weiteres, angenehm verschlungenes Beispiel dafür, dass die Publizistin Marion Gräfin Dönhoff recht hatte, wenn sie unermüdlich schrieb, alles hänge mit allem zusammen. Zudem zeigt er, dass das Thema Haare offenbar gerade in der Luft liegt, oder, um mit der furchtlosen Konsequenz, ja mit der lustvollen Wonne der Friseure in der Muttersprache Ustinovs den Absturz zu wagen: "There's something in the hair"."
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